Sonntag, 06. April 2025, 18:30 Uhr vor der ehemaligen Heilig Geist Kirche Essen-Katernberg
Im Zuge der Eröffnung des „Kunstraum Heilig Geist am UNESCO-Welterbe Zollverein“ am 6. April 2025 (siehe unten) laden wir um 18:30 Uhr zu einem spirituellen Impuls (15-Minuten-Andacht) zur Umwandlung unseres Altares ein.
Im Zentrum der ehemaligen Heilig-Geist-Kirche in Essen, nun Kunstraum am UNESCO-Welterbe Zollverein, steht heute eine Skulptur, die nicht nur physisch, sondern auch symbolisch Gewicht trägt: Sie besteht aus dem ursprünglichen geweihten Altarstein aus unserer Kirche Heilig Geist – einst Ort liturgischer Handlungen, nun Objekt zeitgenössischer Reflexion. Die Transformation dieses Steins markiert einen entscheidenden Schritt in der Umnutzung des Gotteshauses: von einem Ort des Glaubens zu einem Raum der Interpretation. Die neue Skulptur nimmt Bezug auf eines der frühesten nichtfigurativen Monumente Deutschlands: den von Johann Wolfgang von Goethe entworfenen „Stein des guten Glücks“, der heute in Weimar nahe seinem ehemaligen Wohnhaus steht. Goethes Denkmal besteht aus zwei ineinander gesetzten Grundformen – einem Würfel und einer Kugel – die für gegensätzliche, aber komplementäre Kräfte stehen. Der Würfel symbolisiert Stabilität, das Verlässliche und Unverrückbare; die Kugel hingegen das Bewegliche, das Unbestimmte, das Veränderliche. Ihr Zusammenspiel soll jenes fragile Gleichgewicht ausdrücken, das Goethe mit „Glück“ verband: das produktive Spannungsverhältnis zweier entgegengesetzter Prinzipien.
Kris Martin griff diese Idee in seiner Ausstellung GOOD LUCK in St. Agnes (Berlin) 2023 auf – und stellte sie buchstäblich auf den Kopf: In seiner Skulptur ruht die Kugel unten, trägt den Würfel, der darüber balanciert. Diese Umkehrung der ursprünglichen Logik ist mehr als ein formales Spiel. Sie stellt die Ordnung der Welt in Frage, kehrt die Bedeutungsachsen um und eröffnet einen Raum für Zweifel, Offenheit und neue Perspektiven.
In ähnlicher Weise wird auch der Altarstein in Essen zum Träger einer neuen Bedeutung. Seine ursprüngliche Weihe bleibt als Erinnerung eingeschrieben, doch seine heutige Form ist säkular und konzeptuell: eine skulpturale Geste, die das Verhältnis von Materialität und Spiritualität neu verhandelt. Was früher als unverrückbare Konstante galt, wird nun zur Projektionsfläche – für das Ungewisse, das Fragile, das im Wandel Begriffene.

So wird aus dem geweihten Altarstein ein Denkmal der Veränderung – ein Monument, das nicht erinnert, sondern befragt. Ein Werk, das uns einlädt, über das Glück, über Glaube, über die Bedeutung von Form und Funktion neu nachzudenken.
Mit der Eröffnung des Kunstraum Heilig Geist am UNESCO-Welterbe Zollverein am 6. April 2025 entsteht in Essen-Katernberg ein neuer Ort für zeitgenössische Kunst, der kreative Perspektiven für die Nachnutzung sakraler Gebäude aufzeigt. Die Übersichtsausstellung „How I Learned to Love the A“ von Robert Janitz, kuratiert von Ulrich Wilmes, markiert den Auftakt für ein vielfältiges Ausstellungsprogramm, welches neue Impulse für die Kunstszene im Ruhrgebiet setzt. Mit dem nahe gelegenen UNESCO-Welterbe Zollverein wird es diverse Kooperationen geben.
Die feierliche Eröffnung des Kunstraum Heilig Geist am UNESCO-Welterbe Zollverein wird vom folgenden Rahmenprogramm begleitet:
- 16:00 Uhr
Offizielle Eröffnung
Festakt mit einer Rede des Oberbürgermeisters von Essen, Thomas Kufen, sowie Prof. Dr. Hans-Peter Noll, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Zollverein
Moderiert von Natalia Taranta, Direktorin des „Kunstraum Heilig Geist am UNESCO-Welterbe Zollverein“
- 16:30 Uhr
Einführung in die Ausstellung
Ein Künstlergespräch mit Robert Janitz und Ulrich Wilmes über die Konzeption der Ausstellung.
- 17:00 Uhr
Eröffnungsempfang
- 18:30 Uhr
15-Minuten-Andacht
mit Pfarrer Ingo Mattauch: Transformation unseres Altars – vom sakralem Zentrum zur skulpturalen Setzung
Ort: Kunstraum Heilig Geist, Meybuschhof 9, 45327 Essen
Eintritt: frei